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Großer Applaus für "Silent Friend"

Regisseurin Ildikó Enyedi und die beiden jungen Schauspieler Luna Wedler und Enzo Brumm freuen sich nach der Premierenvorstellung im Cineplex über die Ginkgo-Bilder, die ihnen Freundeskreisvorsitzende Bärbel Kaufmann überreicht. (Fotos: Andrießen)

14. Januar 2026: Vor ausverkauftem Haus ist am 14. Januar im Cineplex die lang erwartete Hessen-Premiere des Spielfilms „Silent Friend“ über die Bühne gegangen - und hat riesigen Applaus erhalten. Über 400 Besucher nutzten die Gelegenheit, nicht nur den Film mit einem Ginkgo-Baum als Hauptdarsteller zu genießen sondern auch einige der Macher persönlich kennenzulernen. Und diese bedankten sich bei den Bürgern, der Stadt und der Universität für ihre Unterstützung während der Dreharbeiten - allen voran Regisseurin Ildikó Enyedi und die beiden jungen Schauspieler Luna Wedler und Enzo Brumm.
 
Freundeskreis dekoriert Tische und ehrt Schauspieler
Natürlich waren auch viele Mitglieder des Freundeskreises zur Premierenfeier erschienen. Vorsitzende Bärbel Kaufmann hatte zuvor mit ihren Helferinnen nicht nur für die Tischdekoration beim Empfang gesorgt, sondern verteilte auch hübsch gestaltete Bulletins mit einem Ginkgo-Blatt und nützlichen Informationen über diese Baumart an interessierte Gäste. Für die Regisseurin und die Schauspieler hatte sie etwas Besonderes vorbereitet: Goethes Gedicht über den Ginkgo nebst gepressten Blättern in Bilderrahmen. Auf deren Rückseite stehen einige geistesgeschichtliche Hinweise über Goethes Beziehung zu der Pflanze. Ganz am Schluss der Premierenfeier überreichte Bärbel Kaufmann diese Bilder - und kam damit bei Enyedi, Wedler und Brumm bestens an. Die Marburger Glaserei Werner hatte übrigens die Bilderrahmen für diese Aktion dem Freundeskreis gespendet.
 
Der Ginkgo keimt in Nahaufnahme
Der knapp 2,5 Stunden lange Film beginnt und endet mit einem keimenden Ginkgo in extremer Nahaufnahme. Das wirkt, als käme ein Wesen aus einer anderen Welt auf einen zu. Doch je intensiver sich die drei über den riesengroßen Ginkgo im alten botanischen Garten miteinander verwobenen Handlungsstränge in ihren ruhigen, sorgsam fotografierten Bildern entwickeln, desto deutlicher wird das zentrale Anliegen des in seiner Art absolut außergewöhnlichen Films.
 
Sadistische Professoren
Die Zuschauer erleben Luna Wedler als erste Marburger Biologiestudentin im Jahr 1908 und wie sie von bornierten, verknöcherten Professoren auf sadistische Weise geprüft wird, um ihr einzuschärfen, dass sie als Frau in der Wissenschaft doch völlig fehl am Platze sei. Die junge schweizerische Schauspielerin verkörpert ihre Rolle so großartig, dass aus den meisten Zuschauern wohl im Handumdrehen glühende Feministen werden. Der Ginkgo im botanischen Garten scheint der jungen Wissenschaftlerin in stillen Momenten Kraft zu geben und schließlich findet sie über die Fotografie einen eigenen Zugang zur Natur.
 
Studenten der 70er Jahre
Im zweiten Handlungsstrang mit zwei Studenten in den 70er Jahren fungiert der Baum mit seinem verborgenen vegetativen Wissen wohl eher als Inspirationsquelle: die beiden finden heraus, dass Pflanzen wie etwa die Geranie auf dem Fensterbrett in messbarem Kontakt mit ihrer Umwelt und den Menschen stehen.
 
Neurowisschaftler untersucht Baum
Hauptfigur des dritten Erzählstrangs ist der Neurowissenschaftler Professor Tony Wong (Tony Leung Chiu-Wai), der während der Corona-Zeit scheinbar allein auf dem Marburger Campus weilt. Er tritt teils aus Langeweile teils aus wissenschaftlicher Neugier mit dem Ginkgo in Kontakt, indem er durch Sensoren den Phänomenen auf die Spur kommen möchte, die durch die Reaktionen des Baumes auf Menschen und Umwelt zustande kommen.
 
Großartige Bilder
Für all das hat Ildikó Enyedi großartige Bilder gefunden, die nicht bei den äußeren Erscheinungsformen der Natur stehenbleiben sondern bis ins Innere der Wurzeln und Zellen vorzudringen scheinen und dabei die Kommunikation zwischen Menschen und Pflanzen beschreiben.
 
Inspiration und Marburg-Werbung
Insgesamt gibt „Silent Friend“ eine Fülle von Inspirationen und Anknüpfungspunkten für die Beschäftigung mit den Zusammenhängen zwischen Menschen und Natur. Ganz nebenbei setzt der Film den alten botanischen Garten und die Stadt so berührend in Szene, dass Marburg für ein internationales Publikum zu einem äußerst attraktiven Ort werden dürfte.

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